Aquarienpflanzen richtig vermehren

Prinzipiell können sich Wasser- und Sumpfpflanzen auf zwei Arten vermehren: geschlechtlich und ungeschlechtlich. Bei der geschlechtlichen Vermehrung bilden sie Samen (bei den höheren Blütenpflanzen) oder Sporen (Moose und Farne). Diese sind aus der Befruchtung der Blüten entstanden und enthalten die Gene beider Elternteile, also der männlichen und weiblichen Pflanzen, bzw. der männlichen und weiblichen Blüten ein und derselben Pflanze. Die Samen keimen und wachsen zu neuen Pflanzen heran.

Da unsere Aquarienpflanzen in ihrer exotischen Heimat häufig nur als emerse Sumpf- oder Landpflanzen blühen und in unseren Aquarien als vorwiegend untergetauchte, submerse Pflanzen oft gar nicht blühen, spielt die geschlechtliche, generative Vermehrung bei den meisten Aquarienpflanzen nur eine untergeordnete Rolle. Sie vermehren sich stattdessen ungeschlechtlich, d.h. vegetativ, indem sie sich teilen, Ableger und Tochterpflanzen oder unterirdische Ausläufer bilden, die sich irgendwann von ihrer Mutterpflanze abnabeln. Diese Pflanze haben immer die gleichen Gene wie die Mutterpflanze. Da immer nur ein Partner an der Vermehrung beteiligt ist.

Alle vegetativ vermehrten Pflanzen sind also ein genetischer Klon ihrer Mutterpflanzen. Das hat zur Folge, dass von manchen Wasserpflanzen wie der ursprünglich aus Nordamerika stammenden Kanadischen Wasserpest in unseren mitteleuropäischen Gewässern immer nur weibliche Exemplare gefunden werden. Vermutlich stammen alle einheimischen Bestände dieser Wasserpest also von einem einzigen weiblichen Exemplar ab, welches einst aus Nordamerika hier eingeschleppt worden ist.

Immer wenn neue Zuchtsorten von Aquarienpflanzen angeboten werden z.B. rot- stattgrünblättrige oder kleinwüchsige Pflanzen, die so in der Natur nicht vorkommen, dann müssen diese durch Kreuzung von mindestens 2 Elternpflanzen entstanden sein, also durch geschlechtliche Vermehrung. Eine Spontanmutation einer Mutterpflanze ist dagegen ausgesprochen selten und unwahrscheinlich.

Es gibt aber doch einige Wasserpflanzen, die auch von Hobbyaquarianern geschlechtlich vermehrt werden können. Sie blühen entweder spontan oder man muss ein wenig nachhelfen. So bilden viele Schwimmblattpflanzen auf der Oberfläche treibende Blätter und darüber hinausragende Blüten. In der Natur werden sie durch Wind und Insekten bestäubt, unter Aquarienbedingungen kann man die künstliche Befruchtung eventuell mit einem Pinsel besorgen. Die befruchteten Samen sinken dann entweder unter Wasser auf den Aquarienboden. Viele keimen aber auch nur auf feuchtem, aber nicht von Wasser überstautem Untergrund. Solche Bedingungen lassen sich zum Beispiel in einem Paludarium mit einer Wasser- und einem Landteil schaffen.

Bei den meisten Aquarienpflanzen, unter ihnen die Wasserkelche Cryptocoryne, Schwertpflanzen Echinodorus, Sumpffreunde Hygrophila, die Ludwigia-Arten und viele andere häufige Aquarienpflanzen ist unter Aquarienbedingungen aber nur eine vegetative Vermehrung möglich. Nicht mehr als 5 bis 6 Arten werden derzeit in den auf die Zucht von Wasserpflanzen spezialisierten Gärtnereibetrieben für die kommerzielle Vermehrung aus Samen herangezogen, - z.B. Echinodorus berteroi und Samolus parviflorus.

Die vegetative Vermehrung ist dagegen bei den meisten Aquarienpflanzen recht unkompliziert und sollte unbedingt auch vom Hobbyaquarianer genutzt werden.

Stängelpflanzen

Stängelpflanzen lassen sich ähnlich wie viele Gartenpflanzen ganz einfach mit Hilfe von Stecklingen vegetativ vermehren. Kopfstecklinge werden aus dem oberen Teil der Stängelpflanze geschnitten. Da sie in der Triebspitze den Vegetationskegel enthalten, wachsen solche Stecklinge am schnellsten zu neuen Pflanzen heran.

Man entfernt die unteren Laubblätter und steckt den Kopfsteckling in einigem Abstand zur Mutterpflanze in den Bodengrund. Rasch werden sich dort neue Wurzeln bilden. Jeder Pflanzenteil der Stängelpflanzen kann zur vegetativen Vermehrung genutzt werden. Dazu kann man auch die Seitentriebe der Mutterpflanze verwenden. Oder Sproßstecklinge, die aus dem Mittelteil der Pflanze geschnitten werden, nachdem die Triebspitze bereits als Kopfsteckling abgeschnitten wurde. Voraussetzung, dass auch aus solchen Spross-Stecklinge sich eine neue pflanze entwickelt, ist neben der Wurzelbildung, dass sich einer der Blattachseln ein Seitentrieb entwickelt. Aber auch aus der Basis, die nach dieser Prozedur noch von der Mutterpflanze übrig geblieben ist, treiben bald wieder Seitensprosse aus den Knospen und Blattachseln. Auf diese Weise wird aus der Stängelpflanze ein reich verzweigter Busch. Den gleichen Effekt kann man aber auch schon durch einen regelmäßigen Rückschnitt erzielen, auch wenn die entweder Stängelteile nicht zur Vermehrung genutzt werden.

Ausläufer

Ausläufer werden von vielen Aquarienpflanzen gebildet, die aus den Blattachseln herauswachsen, vor allem aus den Seitentrieben, seltener auch aus der Triebspitze heraus. Diese Ausläufer breiten sich teilweise dicht über dem Bodengrund, teilweise unterirdisch aus. Sie kommen von Abschnitt zu Abschnitt an die Oberfläche und aus den Knospen dieser Ausläufer entstehen neue Pflänzchen. Arten die, sich auf solche Weise vermehren, erobern mit ihren Ausläufern bald das gesamte Terrain. Sobald die Jungpflanzen einige Zentimeter an Höhe erreicht haben, können sie von der Mutterpflanze getrennt und aus dem Aquarium entfernt oder an anderer Stelle eingepflanzt werden. Andernfalls nabelt sich die Verbindung zur Mutterpflanze nach einiger Zeit von selbst ab. Auch einige Schwimmpflanzen breiten sich durch solche Ausläufer aus.

Ableger

Ableger entstehen auf ähnliche Weise, werden aber an kürzeren Ausläufern der Mutterpflanze gebildet.

Eine noch engere Verbindung zwischen Mutter- und Tochterpflanze wird bei der Entstehung von Adventivpflanzen eingegangen. Solche Adventivpflänzchen bilden sich meist an den Blatträndern der Mutterpflanze. Sind sie groß genug und erstarkt, dann trennen sich die Adventivpflanzen von der Mutterpflanze und werden mit der Strömung fortgetrieben.

Meristemvermehrung

Eine relativ neue Methode ist die aus Zellkultur erzeugte Pflanze, die sogenannte Meristemvermehrung, wie sie vor allem von professionellen Wasserpflanzenzüchtereien bei der vegetativen Vermehrung neuer Sorten genutzt wird. Dabei wird ein Zellhäufchen der Pflanze in einer sterilisierten Nährlösung und unter Zugabe von Phytohormonen unter Laborbedingungen eine kleine Pflanze herangezogen. Vor allem wenn als Ausgangsmaterial nur eine einzige Pflanze, zum Beispiel eine rötliche Farbmutante, zur Verfügung steht, ist dies häufig die einzige Möglichkeit, möglichst viele, genetisch identische Tochterpflanzen zu produzieren.