Das Naturaquarium

In den letzten Jahren erleben Naturaquarien einen wahren Boom. Und mit ihnen der Begriff des Aquasacping, der Gestaltung von Unterwasserlandschaften. Damit soll ein möglichst harmonisches Gesamtbild geschaffen werden auf streng formalen Prinzipien, wie sie in auch in der japanischen Gartenkunst zu finden sind. Und wirklich, zöge da nicht ein kleiner Schwarm Fische unter der Wasseroberfläche seine Bahnen, könnte man beim Anblick des Fotos den Eindruck erhalten, es handele sich um einen Ausschnitt aus einer Landschaft in den Bergen Japans. Angestoßen wurde dieser neue Trend in der Aquaristik vom Takashi Amano.

Naturaquarium im Iwagumi Stil
Naturaquarium im Iwagumi Stil (Foto: Peter Kriwan/Dublin, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

Der Japaner Takashi Amano ist ein international bekannter Fotograf, der sich auf das Fotografieren von Aquarien spezialisiert hat. In den von ihm kreierten Naturaquarien werden bestimmte Gestaltungselemente der Natur aufgegriffen und in Form von asymetrisch angelegten Arrangements von Steinen, Wurzeln und Pflanzen umgesetzt. Dabei geht es nicht darum, bestimmte Gewässerausschnitte, wie sie in der Natur vorkommen, exakt nachzubilden, sondern gewissermaßen Stimmungsbilder zu schaffen. Entsprechend heißen die von ihm geschaffenen Naturaquarien „Frühlingserwachen“, die „Tanzhalle der Fische“ u.ä. Dabei werden Pflanzen und Fische miteinander kombiniert, die aus völlig unterschiedlichen Regionen stammen können und die so in einem natürlichen Gewässers nicht zusammen vorkommen würden.

Im Gegensatz zum Holländeraquarium der 1970-ziger Jahre, bei dem ebenfalls die Unterwasserpflanzenwelt im Vordergrund stand, sollen Naturaquarien mit möglichst wenigen und immer wiederkehrenden Elementen gestaltet werden. Das gilt auch für eine Auswahl und Beschränkung auf relativ wenige Pflanzenarten. Natürlich verlangt auch die Gestaltung dieser Naturaquarien eine möglichst genaue Kenntnis der Milieuansprüche von Pflanzen und Fischen, damit sie sich in der gewünschten Form entwickeln und sich auch in einer solch für sie künstlichen Unterwasserwelt wohl fühlen.

Naturaquarium im Iwagumi Stil

Der japanische Fotograf und Aquarianer Takashi Amano mit einem seinem eigenen Naturaquarium (Foto: Takashi Amano, Free Art License)

Garnelen und Welse als Putzkolonne

Neben Pflanzen und Fischen spielen auch Wirbellose in den Naturaquarien von Takashi Amano eine wichtige Rolle. So setzte er die später nach ihm benannte Amano-Garnelen (Caridina multidentata) ursprünglich als Putzkolonnne ein, damit sie als eifrige Algenverzehrer das Naturaquarium frei von Algen und Aufwuchs halten.

Das war gewissermaßen der Anstoß für die Pflege und Zucht ganzer Scharen von kleinen, lebhaften gefärbten Süßwasssergarnelen aus tropischen Gewässern. Neben der Amano-Garnele werden auch kleine Harnischwelse (Ohrgitterwelse Otocinclus macrospilus) zur Algenbekämpfung in den Naturaquarien eingesetzt.

Regeln bei der Gestaltung von Naturaquarien

Wenn einige Regeln bei Planung, Aufbau und Pflege beachtet werden, ist es gar nicht so schwer, selbst ein solches Naturaquarium zu gestalten. Amano selbst hat dazu in mehreren von ihm verfassten Büchern Anleitungen – anschaulich illustriert mit seinen Fotografien – gegeben. So wird in dem Buch "Ihr Hobby – Natuaraquarien Schritt für Schritt" von ihm in Wort und Bild der Aufbau des Naturaquariums „Frühlingserwachen“ erklärt.

Mit seiner eigenen Firma ADA (Aqua Design Amano) bietet er dazu auch die passenden Produkte an. Und vor einigen Jahren wurde von ihm ein internationaler Wettbewerb angestoßen, der International Aquatic Plants Layout Contest, auf dem die besten Naturaquarien der Öffentlichkeit vorgestellt und prämiert werden.

Der Begriff Aquascaping

Die Gestaltung dieser Unterwasserlandschaften wird als Aquascaping bezeichnet. Dieser Begriff leitet sich ab vom englischen Landscaping. Und in der Tat, liegen die Vorbilder dieser Unterwasserlandschaften ja auch in Landschaften über dem Wasser. Da werden Frühlingslandschaften, dicht bewachsene Hohlwege und Schluchten oder moosbewachsene Baumstümpfe nachgebildet. Ziel ist es nicht, besonders detailgetreu eine bestimmte Landschaft nachzubilden, sondern eine Stimmung zu vermitteln, die beim Betrachten der Unterwasserlandschaft entsteht.

Der Anteil, den Steine und Wurzeln zu einer solchen Gesamtkonzeption liefern, wird auch Hardscape genannt. Und der Aquarianer oder besser Künstler, der solche Naturaquarien gestattet, wird als Aquascaper bezeichnet. Und natürlich muss ein Aquascaper nach dem Vorbild des Meisters Takashi Amano auch ein guter Fotograf sein, um sein Werk für lange Zeit im Bild festzuhalten und auch im Internet präsentieren zu können.

HUMMEL, HOMRIGHAUSEN & GAIDA (2012) stellen eine Reihe für das Aquascaping besonders geeigneter Wasserplfanzen in Wort und Bild vor, u.a.: Aegagropila linnaei (besser bekannt als „Mooskougel“), Alternanthera reineckii Mini (das Zwerg-Papageienblatt), das Zwerg-Speerblatt Anubias nana den Wasserfarn Asplenium cf. normale, die Fettblätter der Gattung Bacopa, das Japanische Fadenkraut Blyxa japonica, den Kongo-Wasserfarn Bolbitis heteroclita, verschiedene Wasserkelcharten der Gattung Cryptocoryne, der Amerikanische Bachburgel Didiplis diandra, diverse Schwertpflanzen der Gattung Echinodours, das Perlenkraut Hemianthus callitrichoides aus Kuba und das Nordamerikanische Perlenkraut Heminathus micranthemoides, die Wassernabel Hydrocotyle tripartita und verticllata, die Wasserfreundarten Hygrophile lancea und pinnatifida, das Starmoos Hyophila involuta, Lilaeopis brasliensis die Mauritius-Graspflanze, die Mini-Lobelie Lobelia cardinalis „mini“, der urtümliche Fran Lomariopsis lineata, diverse Ludwigia-Arten, das Mooskraut Mayaca fluviatilis, der Javafarn Microsorum pteropus, das Moos monosolenium tenerum, die Sternpflanzen Pogostemon erectus und helferi, das Lebermoos riccia, diverse Rotala-Arten, das Lebermoos Solenostoma tetragonum, der Mini-Bärenklau Staurogyne repens (eine Neuheit aus Brasilien), Wassermoose der Gattung Taxiphyllum, die Zwerg-Vallisnerie Vallisneria nana, uns schließlich das Christmasmoos und das Triangelmoos der Gattung Vesicularia.

Literaturhinweise

AMANO, Takahsi (1999): Ihr Hobby – Naturaquarien. – bede Verlag, Ruhmannsfelden.
AMANO, Takashi (1999): Aquarium Plants Paradise, TFH Publications.
AMANO, Takahsi (2010): Naturaquarien – das komplette Werk 1985 – 2009, Dähne Verlag, Ettlingen.
HUMMEL, S., C. HOMRIGHAUSEN & U. GAIDA (2012): Aquarienpflanzen – Natur erleben unter Wasser. Dennerle GmbH, Vinningen.
LUKHAUP, C. & R. PEKNY (Hersg., 2008): Nano-Fibel – Faszinierende Mini-Aquarien für Einsteiger.- Dähne Verlag, Ettlingen.