Barben und Bärblinge im Überblick

Barben und Bärblinge gehören zu den karpfenartigen Fischen. Barben halten sich in pflanzenreichen, stehenden oder langsam fließenden Gewässern auf und suchen ihre Nahrung am Gewässerboden. Bärblinge leben dagegen vom Anflugnahrung und Futtertieren der oberen und mittleren Bereiche in schnellfließenden Gewässern. Entsprechend unterschiedlich sind die Ansprüche an die Aquarieneinrichtung. Die meisten Arten gelten als pflegeleicht, robust und friedlich. Auch die Zucht kann gelingen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Damit bieten Barben und Bärblinge den idealen Einstieg in das faszinierende Hobby der Aquaristik.

Zur Nomenklatur der Barben und Bärblinge

Barben und Bärblinge gehören zu der großen Ordnung der Karpfenartigen Fische. Die Bärblinge bilden die Unterfamilie Barbinae, die Bärblinge die Unterfamilie der Danioninae, beide gehören zur Familie der Karpfenfische (Cyprinidae). Die im Aquarien gehaltenen Barben sind zum größten Teil Arten der Gattung Puntius. Die Bärblinge verteilen sich im Wesentlichen auf die Gattungen Danio, Brachydanio und Rasbora. Mit den Nanoaquarien rückten auch die Zwergen unter den Bärblingen in den Mittelpunkt des Interesses. Es gibt Bestrebungen diese Minibärblinge in eigene Gattungen oder Untergattungen wie Microrasbora und Boraras auszugliedern. Schließlich gibt es einige Arten, die in Körperform und häufig auch Lebensweise sich von den übrigen Barben und Bärblingen unterscheiden und nur zu den Barben im weiteren Sinn gezählt werden; dazu gehören die Kielbäuche und Glasbarben der Gattung Chela, die Haibarbe Balantiocheilus, die Stromschnellenbarben der Gattung Garra, die Rüsselbarben der Gattung Epalzeorhynchus, das Glühköpfchen Sawba und der beliebte Kardinalfisch Tanichthys albonubes.

Bei vielen Arten ist die Herkunft und Verbreitung immer noch unbekannt. So kommt beispielsweise die Odessa-Barbe sicher nicht in der Umgebung von Odessa vor, sondern vermutlich aus dem Norden Vietnams. Ein Matrose soll die ersten Exemplare in der Hafenstadt Odessa einem Schiff auf dem Weg nach Russland mitgegeben haben, von wo sie dann später auch zu uns nach Mitteleuropa gelangte.

Verbreitung und Lebensraum der Barben und Bärblinge

Die meisten der in den Aquarien gepflegten Barben und Bärblingen kommen ursprünglich vom indischen Subkontinent und Südostasien. Dort vertreten sie die in ihrer Verbreitung auf Südamerika beschränkten Salmler und besetzen ähnliche ökologische Nischen. Einige wenige Arten stammen aus Afrika und Nordamerika, die aber meist nur von Aquarianern gepflegt werden, die sich auf afrikanische Zierfischarten oder auf die Haltung und Zucht von Barben spezialisiert haben. Nicht alle Barben und Bärblingen stammen aus den Tropen. Es gibt eurasische Arten, die an einen Klimawechsel im Jahresverlauf angepasst sind, deren Heimatgewässer während der Wintermonate auskühlen. Dies ist einer der Hauptgründe dafür, dass diese Arten in Aquarien nur selten zu sehen sind. Auch dort wollen sie den jahreszeitlichen Temperaturwechsel beibehalten, bei konstant gleichmäßigen Temperaturen würden sie verkümmern.

Merkmale, Form und Färbung

Barben sind eher hochrückig und seitlich zusammengedrückt. Bärblingen haben einen lang gestreckten, schlanken Körperbau. Barben und Bärblinge sind auch an den Barteln zu erkennen, die in ihren Mundwinkeln stehen. Diese Barteln können allerdings klein sein, einigen Arten aber auch ganz fehlen. Einige dieser Bärblinge haben ein Pendant unter den Salmlern: So sehen sich zum Beispiel der Glühlichtsalmler und der Glühlichtbärbling mit ihrer leuchtend orangefarbenen Längsbinde auf den ersten Blick ähnlich, allerdings fehlt den Bärblingen immer die für die Salmler typische Fettflosse.

Haltung der Barben und Bärblinge im Aquarium

Barben und Bärblinge gelten bis auf wenige Ausnahmen als pflegeleicht, mit ein Grund dafür, dass sie seit Jahrzehnten in Aquarianerkreisen ein Schattendasein führen und oft als Anfängerfische abgetan werden. Da sie außerdem fast ausnahmslos friedlich sind, werden sie vor allem als Begleitfauna für Buntbarsche oder Labyrinthfische im Gesellschaftsbecken wahrgenommen. Lediglich die Sumatrabarben haben einen schlechten Ruf; sie zupfen gerne an den Flossen anderer Fische. Ursache ist aber nicht etwa ihre Bösartigkeit, sondern dass sie unterbeschäftigt sind. Hält man sie in einer ausreichend großen Gruppe, dann haben sie genug miteinander zu tun und lassen andere Beckengenossen unbeachtet. Ihre ganze Farbenpracht und ihr volles Verhaltensrepertoire entfalten sie häufig aber nur in einem artgerecht eingerichteten Becken.

Um Barben und Bärblingen optimale Haltungsbedingungen bieten zu können, muss man sich mit einigen Grundzügen ihrer Lebensweise und ihrem Verhalten vertraut machen. Sie werden in der Aquarienliteratur immer wieder als typische Schwarmfische bezeichnet. Auf Bärblinge mag das zutreffen, auf Barben eher nicht. Barben sind viel mehr typische Gruppenfische. Der Unterschied zwischen Schwarm- und Gruppenfischen liegt eher in der Anzahl, als im Verhalten der Fische. Beobachtet man zum Beispiel einen großen Schwarm von Roten Neonfischen in einem geräumigen Aquarium mit genügend freiem Schwimmraum, so stellt man fest, dass die Fische stets bemüht sind, synchron zu schwimmen und untereinander einen regelmäßigen Abstand einzuhalten. Werden sie erschreckt, dann wenden alle gleichzeitig und ihr leuchtend blaugrünes Längsband blitzt hundertfach auf. Auch die meisten Bärblinge sind Schwarmfische, die in großen Schwärmen dicht unter der Wasseroberfläche entlang ziehen, auf der Suche nach Anflugnahrung und Insektenlarven und anderen Wirbellosen, die ihnen mit der fließenden Welle entgegen driften. Barben dagegen halten sich eher in den unteren Wasserschichten auf. Sie durchstreifen in lockeren Verbänden lockere Wasserpflanzenbestände auf der Suche nach Nahrung. Dabei halten sie zwar untereinander Sichtkontakt, um sich bei Gefahr schnell zusammenfinden zu können; sie schwimmen aber fast niemals synchron. Barben sind im Aquarium eher ruhige Fische, Bärblinge dagegen etwas hektisch und immer in Aktion.

Bärblingen als rastlose Schwimmer richtet man daher am besten ein lang gestrecktes Becken ein mit viel Freiraum in den oberen und mittleren Wasserschichten. Eine dichte Schwimmpflanzendecke wäre hier völlig fehl am Platz. Nicht nur den großen Danio-Arten auch den etwas kleineren Brachydanio-Arten wie dem Zebrabärbling, der sich erst in einem Schwarm von mindestens 15 bis 20 Tieren wohl fühlt, sollte man eher ein großes Becken einrichten. Als Bodengrund wird grober Sand mit größeren Kieseln und Steinen gewählt, wie es einem schnellfließenden Gewässer mit Flussgeröll entspricht. Für den Hintergrund kann eine dichte Randbepflanzung gewählt werden. Bärblinge gründeln nicht, der Bodengrund wird nicht aufgewirbelt, das Wasser bleibt daher sauber. Trotzdem kann man auf eine gute Filterung verbunden mit einer stärkeren, gerichteten Strömung nicht verzichten. Damit ist dann auch eine ausreichende Sauerstoffversorgung gewährleistet. Ein Teil des Wassers sollte wöchentlich gewechselt werden. Für Zebra- und Schillerbärblinge reicht eine Wassertemperatur zwischen 18 und 24°C, andere Bärblinge mögen es etwas wärmer (22 bis 26°C). Kardinalfische können sogar im Kaltwasseraquarium gehalten werden, auch wenn sie sich dann nicht fortpflanzen. In ihren Heimatgewässern tummeln sich die Bärblinge gerne an sonnendurchfluteten Stellen. Daher sollte die Aquarienbeleuchtung eine normale Helligkeit haben. Gefüttert wird mit schwimmfähigen Flocken- oder Frostfutter, schwarzen Mückenlarven und Wasserflöhen. Die Aufzucht der Jungfische ist entsprechend mit Staubfutter, sowie den Nauplien von Artemia und Cyclops möglich.

Barben sind in der Mehrzahl typische Bewohner der mittleren und unteren Wasserzonen. Ein 100-Liter-Becken wird mit einem weichgründigen, sandigen Boden, einer lockeren Bepflanzung von kleineren Vallisnerien-Arten, einigen Moorkienwurzeln und im Hintergrund mit feinblättrigen Wasserpflanzen wie beispielsweise Ludwigia-Arten, bestückt. So haben die Barben genügend Platz, um zwischen den lockeren Pflanzenbeständen umherzustreifen. Barben brauchen ein eher gedämpftes Aquarienlicht, dann kommen auch ihre Farben am besten zur Geltung. Auch in einem 200 oder 250-Liter-Becken sollte man auf Steinaufbauten, die die Barben eher behindern würden, verzichten. Stattdessen auch hier einen lockerer Bestand an mittelgroßen bis zu hohen Wasserpflanzen anbieten. In einem solch großen Becken kann man sie auch gut mit Fadenfischen zusammenhalten, die sich eher in den oberen Wasserschichten aufhalten: Infrage kommen eine Gruppe von Mosaikfadenfischen, Pärchen von Zwergfadenfischen oder Honigguramis. Beide Fischfamilien lieben es eher ruhig, vor allem die schaumnestbauenden Labyrinthfische. Gefüttert werden Barben mit Tubifex, roten Zuckmückenlarven, sinkfähigem Trocken- oder Frostfutter.

Will man beide Gruppen, Barben und Bärblingen zusammen in einem Becken halten, so muss dieses nicht nur entsprechend lang, sondern auch relativ hoch sein, damit sich beide Gruppen mit ihren ganz unterschiedlichen Ansprüchen weitgehend aus dem Weg gehen können. Der Bodengrund wird wie beschrieben locker mit Wasserpflanzen und Moorkienwurzeln bestückt sein, das obere Drittel frei von Pflanzen sein. Der Filterrücklauf wird am bestens dicht unter der Wasseroberfläche platziert. Dann herrscht in den oberen Wasserschichten eine stärkere Strömung, während die Bodenzone strömungsfrei bleibt.

Nachzucht der Barben und Bärblinge unter Aquarienbedingungen

Barben und Bärblinge sind Freilaicher. Nach der Eiablage betrieben sie keinerlei Brutpflege, betätigen sich aber stattdessen als Laichräuber. Daher sollte man ein paarungsbereites Pärchen in ein separates Ablaich- und Aufzuchtbecken setzen und nach dem Ablaichen so schnell wie möglich wieder umquartieren. Da Barben und Bärblinge oft viele Hundert Eier ablegen, muss das Aufzuchtbecken auch entsprechend groß sein. Während bei der Haltung im Art- und Gesellschaftsbecken die Wasserwerte keine entscheidende Rolle spielen, sollten die Wasserverhältnisse auf die für die einzelnen Arten angegebenen Werte eingestellt werden. Die meisten Arten brauchen zur Entwicklung weiches, leicht saures Wasser. Eine Ausnahme bildet das Glühköpfchen (Sawba resplendens) mit pH-Werten zwischen 7 und 8,5 und mittelhartem bis hartem Wasser. Die Jungfische größerer Arten werden mit Nauplien von Artemia, später mit ausgewachsenen Artemien, die kleineren Arten mit Pantoffeltierchen, und anderen Infusorien, sowie sehr feinem Staubfutter versorgt.