Bitterling
- lat. Rhodeus amarus -

Haltung: einfach
Zucht: mittel
Größe: bis 9cm
Temperatur: 15 bis 21°C / opt. 18 bis 20°C
PH: 7,0 bis 7,5
GH: 10 bis 15°dGH
KH:

Der Bitterling - Rhodeus amarus

Der Bitterling besiedelt vor allem stehende und langsam fließende Gewässer, wobei er für eine erfolgreiche Vermehrung auf die Nähe von Maler- oder Teichmuscheln angewiesen ist. Das Weibchen platziert mit seiner Legeröhre die Eier in die geöffnete Kiemenhöhle der Muschel, dicht gefolgt vom Männchen, dessen Spermien, vom Atemwasserstrom der Muschel eingesaugt werden. Die Fischbrut entwickelt sich gut geschützt in der Muschel, bis sie frei umher schwimmen können. Auch die Muschel profitiert von dieser Symbiose, in dem sich ihre Larven an den vorbeischwimmenden Fisch heften und sich in die Fischhaut einnisten.

Bitterlingspärchen
Foto: Ostjan, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported

Lebensraum des Bitterlings

Der Bitterling kommt in West-, Mittel- und Osteuropa, den nördlichen Alpen und Pyrenäen bis zum Gebiet der Wolga vor. Er besiedelt stehende und langsam fließende Gewässer, wobei er zur Fortpflanzung auf Teich- oder Malermuscheln angewiesen ist. Der Bitterling wurde vom Verband Deutscher Sportfischer und dem Österreichischen Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz zum Fisch des Jahres 2008 gewählt.

Merkmale, Form und Färbung

Der Bitterling hat eine hochrückige, seitlich abgeflachte Körperform. Im Verhältnis zum Körper sind die Schuppen relativ groß. Die Rückenpartie ist dunkel grau-grünlich bis schwärzlich gefärbt, in den Flanken silbrig glänzend mit einer breiten, blass blau-grün schillernden Längsbinde, die von der Körpermitte bis zur Basis der Schwanzflosse reicht. Die Bauchseite ist weißlich mit einem Schimmer in Rosa. Die Männchen haben zur Paarungszeit eine rötliche Kehle, Brust und Bauchpartie. Die Weibchen bilden zur Laichzeit eine etwa 5cm lange Legeröhre. Außerhalb der Fortpflanzungszeit kann man das Männchen an der rötlich gefärbten oberen Irishälfte erkennen.

Haltung des Bitterlings im Aquarium

Mit seiner Lebensweise in Symbiose mit Muscheln und seiner Fortpflanzungsbiologie ist der Bitterling eine der interessantesten Arten aus der Familie der Karpfenfische. Da er mit 5 bis 6cm recht klein bleibt, ist er für eine Haltung im Kaltwasserbecken ab 60cm Länge bestens geeignet. Man besetzt das Aquarium mit jeweils einem Paar Bitterlinge und 1 bis 2 Maler- oder Teichmuscheln (Unio pictorum oder Anondonta cygnea). Wichtig ist ein sandiger Boden, in den sich die Muscheln darin bis zur Hälfte eingraben können. Eine Mulmschicht, die von den Fischen immer wieder aufgewirbelt wird, sorgt dafür, dass die Muscheln genügend Schwebstoffe und Nahrungspartikel aus dem Wasser filtrieren können. Das Wasser sollte leicht alkalisch sein (pH>7) und im Temperaturbereich zwischen 18 und 20°C liegen. Wichtig ist auch eine stellenweise dichte Bepflanzung, ferner eine gute Belüftung. Das Wasser sollte hingegen nur schwach gefiltert werden, damit den Muscheln nicht zu viele Schwebstoffe verloren gehen. Für eine optimale Konditionierung füttert man die Bitterlinge mit Mückenlarven, Enchyträen und Daphnien.

Nachzucht des Bitterlings

Der Bitterling fällt mit seiner Fortpflanzungsbiologie völlig aus dem Rahmen der bei anderen Karpfenfischen üblichen Verhaltensweisen. Während alle anderen Arten ihre Eier völlig ungeschützt auf Wasserpflanzen, im Kiesbett oder Hartsubstarten ablegen, bildet das Bitterlings-Weibchen zur Laichzeit eine relativ lange, dünne Legeröhre. Bitterlinge können sich nur in Gewässern (und damit auch im Aquarium) erfolgreich fortpflanzen, wenn auch Maler- oder Teichmuscheln vorhanden sind. Das Weibchen des Bitterlings, dicht gefolgt vom Männchen, wartet direkt über der Muschel, bis sich ihr Kiemeneingang zum Austausch des Atemwassers öffnet. In diesem Augenblick führt das Weibchen seine Legeröhre ein und entlässt 2 Eier in den Kiemenraum. Unmittelbar danach spritzt das Bitterlingsmännchen seine Spermien direkt über der Kiemenöffnung ab, sodass sie mit Atemwasserstrom der Muschel eingesaugt werden. Dieser Laichvorgang wiederholt sich, bis alle 40 Eier in die Mauschel injiziert worden sind. Nach einigen Tagen schlüpfen die Bitterlingslarven, bleiben aber so lange gut geschützt im Kiemenraum der Muschel, bis ihr Dottersack vollständig aufgezehrt ist. Sie verlassen die Muschel, sobald sie selbst aktiv schwimmen und sich selbständig ernähren können. Da die Überlebenschancen bei dieser Fortpflanzungsstrategie der Bitterlinge hoch sind, kommen sie mit relativ geringen Produktionsraten von 40 Eiern pro Saison aus – im Vergleich zu anderen Karpfenfischen, die oft Hunderttausende von Eiern produzieren.

Aber auch die Muscheln profitieren von dieser Symbiose. Ihre Larven, Glochidien genannt, haben kleine Schalen, die mit Haken besetzt sind. Diese Glochidien werden von der Muschel ins Freie entlassen, wo sie zu Boden sinken. Wenn ein Fisch vorbeischwimmt, und ein der Glochidien streift, dann Klappen die Schalenhälfte der Muschellarve ausgelöst durch den Berührungsreiz zu und heften sich an eine Flosse des Fisches. Dabei wird ihm mit den scharfkantigen Schalenrändern eine kleine Wunde beigefügt. Das umliegende Gewebe reagiert mit vermehrtem Wachstum und umschließt schließlich die Glochidie. Hier kann sie gut geschützt in der Haut des Fisches ihre Entwicklung bis zur kleinen, fertigen Muschel durchlaufen. Wenn die Muschel die Fischhaut verlässt, bleibt eine kleine Wunde zurück, die sich infizieren und damit den Fisch schädigen kann. Ist das Gewässer zu dicht mit Muscheln besetzt, so kann dies zu einem Problem für die Fische werden. Daher sollte man ein Bitterlingspärchen mit jeweils nur 1 bis 2 Muscheln im Aquarium zusammen halten.