Simaesischer Kampffisch
- lat. Betta splendens -

Haltung: einfach
Zucht: mittel
Größe: bis 6cm
Temperatur: 24 bis 30°C
PH: 6,0 bis 8,0
GH: 10 bis 25°dGH
KH:

Der Simaesische Kampffisch - Betta splendens

Der Siamesische Kampffisch war in Südostasien die Fischart, die zuerst gezüchtet wurde, und zwar nicht als Speisefisch, sondern zunächst für Schau- und Wettkämpfe, später als Zierfisch in der Form des Schleierkampffisches. Seit mehr als 100 Jahren wird der Siamesische Kampffisch auch als Aquarienfisch gehalten. Neben der auch im Freiland kaum noch zu findenden reinen Wildform gibt es etliche Schleierkampffisch-Sorten, die sich in der Körper- und Flossenfärbung sowie in der Form ihrer Flossen unterscheiden. Dazu wurden vom International Betta Congress verbindliche Bewertungsstandards festgesetzt. Der Siamesische Kampffisch gilt zwar als anspruchslos. Jedoch fühlt sich auch diese Fischart - einegpfercht in kleine Marmeladengläser - sicher nicht wohl. Als verantwortungsbewusster Aquarianer sollte man auch dem Siamesischen Kampffisch optimale Haltungsbedingungen bieten; dann wird auch die Zucht ohne Weiteres gelingen. Das Männchen dieser Kampffischart baut ein Schaumnest und betriebt auch die Brutpflege.

Ein Schleierkampffisch-Paar bei Paarung und Ablaichen unter dem Schaumnest
Foto: Marabbio2, Creative Commons Attr.-Sahre Aliek 3.0 Unported

Lebensraum des Simaesischen Kampffischs

Siamesische Kampffische findet man auf überfluteten Reisfeldern und deren Bewässerungskanälen, in Sumpfgebieten und in den Klongs der Dörfer in West- und im Zentrum Thailands. Im Nordosten von Thailand wird diese Art vom Samaragd-Kampffisch abgelöst (LINKE 1980). Ursprünglich wurden wildlebende Kampffische gefangen und für die Wettkämpfe eingesetzt, später wurden aus solche Wildstämmen Kampffische speziell für den Einsatz bei diesen Wettspielen gezüchtet.

Leider gibt es auch in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Thailand kaum noch Siamesische Kampffische, die der ursprünglichen Wildform entsprechen. Immer wieder wurden für Wettkämpfe gezüchtete Exemplare und auch Schleierkampffische ausgesetzt, sodass sie sich mit den Wildstämmen erfolgreich kreuzten und diese zum Teil völlig verdrängen konnten. Inzwischen gibt es auch in Gewässern Südamerikas, der Karibik, in Afrika und Madagaskar und sogar auf den Hawaii-Inseln Siamesische Kampffische, die von Aquarianern in die Gewässer entsorgt wurden.

Merkmale, Form und Färbung

Der Siamesische Kampffisch wird seit mehr als 100 Jahren in Aquarien gepflegt und gezüchtet. Eigentlich ist er schon zum Haustier geworden - ähnlich wie der Goldfisch und der Koi. Und es gibt 2 „Haustierrassen“, die auf 2 völlig unterschiedliche Ziele hin gezüchtet worden sind: In Südostasien wird der Siamesische Kampffisch auf Größe und Kraft gezüchtet, damit er als Kämpfer bei den beliebten traditionellen Fischkämpfen eingesetzt werden kann. Es ist einsichtig, dass auch bei diesen für Wettkämpfe gezüchteten Exemplaren darauf geachtet wurde, dass die Flossen ähnlich klein wie bei der Wildform bleiben, um die Verletzungsgefahr minimal zu halten. Für Aquarianer wurden Schleierkampffische heraus gezüchtet mit möglichst großen Flossen und in schier endlosen Farbkombinationen. Leider sieht man in Zoofachgeschäften oft nur Kümmerformen, die viel von ihrer einstigen Farbenpracht und Flossengröße verloren haben, da immer wieder alle möglichen Farbschläge unkontrolliert miteinander verpaart wurden. Inzwischen haben jedoch etliche Vereine international verbindliche Standards auch für die Schleierkampffische festgelegt.

Der International Betta Congress hat auf 160 Seiten Bewertungs-Standards für Schleierkampffische festgelegt (MASILLAMONI & SCHMIDT 1998). Neben Größe, Proportionen und Symmetrie von Körper und Flossen und der Schwanzform, werden auch die Kondition im Hinblick auf Gesundheit und Aggressionsbereitschaft, sowie das Schwimmverhalten der Kampffische berücksichtigt. Auf der Basis der Färbung werden unterschieden: Wildform, einfarbige Fische, Bicolor (Fische mit zwei Farben), Fische mit Farbmuster: Mehrfarbig, Butterfly (Fische mit unterschiedlichen Farbstreifen in den Flossen) und Marble (marmorierte Kampffische). Daneben gibt es Sonderformen mit segelförmiger Rückenflosse oder herzförmiger oder halbmondförmiger Schwanzflosse.

Die Wildform hat hingegen einen recht einfarbigen Körper mit blau und rot gefärbte Flossen, wobei die Schwanz- und die Rückenflosse eine abgerundete Form haben. Die Körperschuppen glänzen im Auflicht metallisch blau. Die Männchen der Wildform werden nicht größer als 6cm, die Weibchen bleiben noch kleiner. Die Weibchen haben außerdem kleinere Flossen und zeigen oft zwei dunklere Längsbänder. Außerdem kann man die ausgewachsenen, geschlechtsreifen Weibchen an ihrer weißen Genitalpapille erkennen.

Biologie und Verhalten des Simaesischen Kampffischs

Artgerecht gehalten sind unsere Schleierkampffische keineswegs so aggressiv, wie ihnen oft nachgesagt wird. Ein Paar kann man ohne Weiteres mit anderen Zierfischarten vergesellschaften. Auch ein Männchen mit mehreren Weibchen kann im Gesellschaftsbecken gepflegt werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Wassertemperatur nicht über 25°C liegt, um die Laichbereitschaft und damit das Aggressionspotential der Männchen zu dämpfen.

Haltung des Simaesischen Kampffischs im Aquarium

Keiner anderen Zierfischart wird bei der Haltung soviel zugemutet wie dem Siamesischen Kampffisch (MEYER 1989). Unter dem Vorwand ihrer Aggressivität untereinander, werden sie in Einzelhaft monatelang in viel zu kleinen Gläsern bis zur Verkaufsreife gequält. Selbst Fische, die auf Ausstellungen zur Schau gestellt werden sollen, billigt man nur maximal 2 Liter Wasservolumen zu. Unser Tierschutzgesetz verbietet zwar seit langem solche Einzelhaltung männlicher Schleierkampffische; dies scheint aber noch nicht bei allem Aquarianern und Zoohändlern angekommen zu sein.

Eine artgerechte Haltung des Siamesischen Kampffischs muss ganz anders aussehen. Auch mehrere Paare können in einem Gemeinschaftsbecken gepflegt werden, vorausgesetzt sie sind zusammen aufgewachsen und das Aquarium ist genügend groß. Ein lang gestrecktes Aquarium kann bei Bedarf durch Einschieben durchsichtiger Scheiben in verschiedene Areale abgeteilt werden, um eventuelle Kampf“hähne“ voneinander zu trennen. Da diese Kampffische auch sehr gut springen können, darf auch eine dicht schließende Glasscheibe als Abdeckung nicht fehlen. Der Bodengrund sollte dunkel, der Standort des Aquariums aber hell und sonnig sein. Auch eine stellenweise dichte Bepflanzung, einige Schwimmpflanzen und „Landmarken“ in Form von größeren Steinen, Wurzeln u. ä. als Reviergrenzen dürfen nicht fehlen. Ein Wasserstand von 20cm ist ausreichend. Die Wassertemperatur sollte auf keinen Fall 30°C übersteigen, da sonst diese Kampffische zu schnell hinfällig werden. Für die Wasseraufbereitung wird ein motorbetriebener kleiner Innenfilter ausreichend sein. Ein luftbetrieberner Filter mit Schaumstoffpatrone verursacht zu große Turbulenzen, wodurch ein Schaumnest an der Wasseroberfläche auseianderfließen könnte. Zusätzlich zur Filterung darf auch ein regelmäßiger Teilwaserwechsel nicht fehlen, um die Kampffische gesund zu halten. Das Frischwasser sollte ungefähr die gleichen Wasserwerte wie das Aquarienwasser haben und die Wassertemperaturen sollten nicht um mehr als 2 Grad differieren.

Nachzucht des Simaesischen Kampffischs unter Aquarienbedingungen

Als Ablaich- und Aufzuchtbecken sollte man ein nicht zu kleines Becken wählen. Für die erfolgreiche Paarung der Elterntiere würde zwar bereits ein 5-Liter-Becken ausreichen, aber zur Aufzucht der Jungfische benötigt man mehr Platz. Die Wassertemperatur wird auf 28 bis 30°C eingestellt, der Wasserspiegel auf etwa 15cm abgesenkt. Das Männchen legt ein Schaumnest an und verteidigt Gelege und Fischbrut vehement. Das Weibchen sollte daher nach dem Ablaichen herausgefangen werden. Die Larven schlüpfen bereist nach einem Tag; sobald sie frei umherschwimmen, kann man sie mit feinem Staubfutter oder einem durch ein feines Sieb passiertes, hartgekochtes Eigelb (ein Tipp von MEYER 1989) aufpeppeln. Nach 1 bis 2 Wochen geht man dann zu Artemia-Nauplien als Nahrungsangebot über. Nach etwa 1 Monat ist das Labyrinthorgan voll ausgebildet; von da verläuft das Wachstum der Jungfische sehr zügig. Die Wassertemperatur sollte nun wieder auf 25°C gesenkt werden; das fördert die Bildung robuster und widerstandsfähiger Kampffische. Die haben zwar später nicht ganz so große, farbenprächtige Flossen und sind für Betta-Shows wahrscheinlich nicht tauglich, einen verantwortungsbewussten Aquarianer, dem vor allem das Wohl seiner Fische am Herzen liegt, sollte dies nicht stören. Sobald die Geschlechter zu unterscheiden sind, werden sie voneinander getrennt. Im weiteren Verlauf kann man die Weibchen gemeinsam aufziehen, die Männchen sollte man aber einzeln halten; es sei denn, das Aufzuchtbecken ist groß und bietet viele Versteckmöglichkeiten.

Gelingt die Verpaarung der zur Zucht ausgewählten Siamesischen Kampffische nicht auf Anhieb, dann sollte man nach MASILLAMONI & SCHMIDT (19986) den pH-Wert auf etwa 6,0 und die Karbonathärte < 4°dKH, die Gesamthärte auf <10°dGH einstellen.

MASILLAMONI & SCHMIDT (1998) raten davon ab, die Kampffische zu überfüttern, da dies später zu Sterilität und einer geringeren Lebenserwartung führen kann. Lieber einmal pro Woche die ausgewachsenen Kampffische einen Tag lang hungern lassen! Natürlich darf man auch die Jungfische nicht überfüttern.

Literatur

GRIMM,M. (1999): Beobachtungan am Schleierkampffisch.- DATZ 52, Heft 12, S.8-12.
KOKOSCHA,M.(1998): Labyrinthfische.- E.Ulmer Verlag (Stuttgart), 95 S.
LINKE,H. (1980): Farbe im Aquarium-Labyrinthfische.- Tetra-Werke (Melle), 122 S.
MASILLAMONI, R. & J.SCHMIDT (1998): Schleierkampffische.-bede-Verlag (Ruhmannsfelden), 79 S.
MEYER,R. (1989): Aquarienfische – Bibliographisches Institut Leipzig, 415 S.
VIERKE,J. (1978): Labyrinthfische und verwandte Arten.- Engelbert Pfriem Verlag (Wuppertal-Elberfeld), 232 S.