Malawisee-Buntbarsche im Überblick

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Haltung von Malawibuntbarschen im Aquarium

Der Malawi-See gilt als das Binnengewässer der Welt mit dem höchsten Artenreichtum an Fischen. Den weitaus größten Anteil daran haben die Buntbarsche. Man schätzt ihre Artenzahl auf bis zu 500, aber längst nicht alle Arten sind wissenschaftlich exakt beschrieben. Das liegt teilweise auch daran, dass einige Arten viele lokal begrenzte Standortvarietäten bilden, die sich teilwiese erheblich in ihrem Farbmuster unterscheiden. Außerdem herrscht unter den Malawibuntbarschen ein ausgeprägter Sexualdimorphismus. Die Männchen mancher Art haben eine blaue Körperfarbe, die Weibchen sind gelb gefärbt. Aber meist sind die Weibchen relativ unscheinbar grau oder olivbraun gefärbt – ohne größere Unterscheide zwischen den einzelnen Arten.

Wissenschaftlicher Name Deutscher Name Verbreitung Gewässertyp Pflege Nachzucht
Aulonocara baenschi Gelber Kaiserbuntbarsch 3 kleine Areale im Südwesten des Malawisees Übergangsbereich von Felslitoral zu Sandflächen einfach einfach
Aulonocara hueseri Likoma-Buntbarsch Nur am Ostufer der Likoma-Insel Steine und Felsen mit kleineren Sandflächen einfach einfach
Aulonocara jacobfreibergi Feen-Buntbarsch Im gesamten Malawisee Große Höhlen des Felslitorals einfach mittel
Aulonocara nyassae Kaiserbuntbarsch In der Nähe der Insel Likoma Übergangsbereich von Fels- zu Sandlitoral einfach mittel
Copadichromis azureus Azur-Cichlide Im Süden des Malaisees vor den Maleri- und den Mbenji-Inseln einfach mittel
Copadichromis burleyi Kadango Red In großen Schwärmen über den Sandflächen in der Übergangszone von Fels- zu Sandlitoral mittel mittel
Cyrtocara moori Beulenkopfmaulbrüter Malawi- und Malombe-See In großen Schwärmen über den Sandflächen in der Übergangszone von Fels- zu Sandlitoral einfach mittel
Labeotropheus fuelleborni Schabemundbuntbarsch Am westlichen Felsufer im Süden des Malawi-Sees Sand- und Schlammböden mittel mittel
Labeotropheus trewavasae Gestreckter Schabemundbuntbarsch Fast im ganzen Malawisee verbreitet Felslitoral mittel mittel
Labidochromis caeruleus Godlgelber Labidochromis Im Norden des Malawi-Sees Übergangsbereich von Felslitoral zu Sandflächen einfach einfach
Maylandia aurora Goldkehlmaulbrüter Insel Likoma und Ostküste des Malawisees zw. Thumbi Point und Mara Point Felslitoral, Aufwuchsfresser mittel mittel
Maylandia estherae Roter Zebrabuntbarsch An der Mosambikanischen Küste des Malawi-Sees Mbuna-Buntbarsch, Bewohner des seichten Felslitorals einfach einfach
Maylandia lanisticola Kleiner Schneckenbarsch Sandlitoral am Cape Maclear braucht leere Schneckenschalen als Rückzugsmöglichkeit einfach einfach
Maylandia livingstoni Blaukehl-Schneckenbarsch Im Malawisee über Sandflächen weitverbreitet braucht leere Schneckenschalen als Rückzugsmöglichkeit einfach einfach
Maylandia lombardoi Lilien-Maulbrüter Steilküste der Mbenji-Inseln Mbuna-Buntbarsch, ernährt sich von Algenaufwuchs einfach einfach
Maylandia zebra Blauer Malawi-Buntbarsch Cape Manulo und Kande-Insel, sowie Ostküste des Malawisees Mbuna-Buntbarsch mittel mittel
Melanochromis auratus Türkisgoldbuntbarsch Im Süden des Malawisees Felslitoral einfach einfach
Melanochromis johani Kobaltorange-Buntbarsch Im Osten des Malawisees Felslitoral zwischen sedimentfreier und sandreicher Zone einfach einfach
Nimbochromis venustus Giraffen-Buntbarsch oder Pfauenmaulbuntbarsch Sandlitoral und Vallisneria-Wiesen einfach einfach
Placidochromis electra Likomamaulbrüter Im Osten des Malawisees zwischen Liluli und Mamba Bay Sandlitoral einfach mittel
Pseudotropheus demasoni kein deutscher Name bekannt Ndumbi Point und Pombo Rocks im Malawi-See Felslitoral mittel mittel
Pseudotropheus elongatus Schmalbarsch Im Malawisee in mehreren Standortvarietäten Pickt aus den Aufwuchsflächen des Felslitorals Kleintiere heraus mittel mittel
Pseudotropheus fuscus Blaustreifenmaulbrüter Felslitoral zwischen der Insel Kande und Chilumba Übergangsbereich von Fels- zu Sandlitoral einfach mittel
Pseudotropheus socolofi Eisblauer Maulbrüter Geröll- und Felsenzone einfach mittel
Sciaenochromis fryeri Azur-Cichlide fast im ganzen Malawisee Höhlen im Felslitoral in größeren Wassertiefen mittel mittel
Tropheops tropheops Gelber Maulbrüter Im Süden des Malawisees Übergansbereich von Fels- zu Sandlitoral, Aufwuchsfresser einfach einfach

Der Malawi-See

Der Malawi-See ist mit einer Fläche von etwa 29.600 km² der drittgrößte See Ostafrikas. An seiner tiefsten Stelle ist er etwa 700m tief. Der Malawi-See hat mehrere Zuflüsse, aber nur einen Seeabfluss, den Shire River, der sich bereits 14km unterhalb des Malawi-Sees zum wesentlich kleineren Malombe-See formt. Der Shire River mündet nach nicht ganz 600km in den Sambesi. Eine Besonderheit des Malawi-Sees, dass er zwar mit einer Gesamthärte von nur 3 bis 5°dGH zwar sehr weich ist, die Karbonathärte aber deutlich höher liegt als die Gesamthärte. Daraus resultiert dann auch eine mittlere elektrische Leitfähigkeit von 200 bis 260µS und ein pH-Wert im alkalische Bereich (pH 7,9 bis 8,6). Ein hoher pH-Wert ist also nicht immer gelichbedeutend mit einer hohen Gesamthäret des Wassers. Darauf sollte man bei der Einrichtung eines Aquariums für Malawi-Buntbarsche achten. Der Malawi-See zeichnet sich außerdem durch eine große Sichttiefe aus (durchschnittlich 20m), das Wasser ist sehr klar und frei von Trübstoffen. Die Wassertemperaturen schwanken zwischen 26 und 30°C, wobei die 30°-Marke nur in seichten Buchten erreicht wird.

Karte des Malawisees; der hellblaue Bereich gehört zum Hoheitsgebiet von Mosambik, in dem auch die beiden größten Inseln Likoma und Chisumulu; 14km südlich vom Malawi-See liegt der kleine Malombe-See

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Im Malawi-See liegt eine ganze Reihe von Inseln unterschiedlicher Größe. Die beiden größten Inseln sind Likoma und Chisumulu in der Nähe der Ostküste des Malawisees, sie gehören bereits zum Hoheitsgebiet von Mosambik. Auch die Mbenji-Inseln sind von Interesse für Cichliden-Freunde, denn hier gibt es einige Arten wie Pseudotropheus lombardoi, die nur dort vorkommen.

Es sind im Wesentlichen drei Lebensräume im Malawisee, die von charakteristischen Gemeinschaften bestimmter Buntbarsche besiedelt werden:

Das Fels-Litoral, welches aus großen Felsen und Gesteinsbrocken besteht das nur wenige Spalten aufweist und damit auch nur wenige Versteckmöglichkeiten für die Buntbarsche bietet: Es gibt aber einige große Unterwasserhöhlen. Auf den Steinoberflächen breitet sich stellenweise dichter Algenaufwuchs aus, der vielen Buntbarschen reiche Weidgründe bietet.

Das Geröll-Litoral setzt sich aus zig-tausenden etwa kopfgroßer Steinen zusammen, die dicht an dicht am Uferhang des Sees liegen. Hier gibt es unendlich viele Spalten und Ritzen, die den Buntbarsche Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten bieten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man hier die dichteste Besiedlung mit Buntbarschen findet, die hier neben Algenaufwuchs viele Insektenlarven und Kleinkrebse als Nahrung finden.

Die Sandzone bietet weniger Deckungsmöglichkeiten. So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn sich hier wesentlich weniger Buntbarscharten aufhalten, als im Fels- und Geröll-Litoral. Umso eindrucksvoller kann die Größe der hier vorkommenden Buntbarschschwärme sein. Hier leben vor allem Buntbarscharten, die einen hohen Fluchtreflex haben oder sich gegen Angriffe zur Wehr setzen können.

Schließlich gibt es noch Areale mit dichtem Pflanzbewuchs, vor allem Vallisneria-Rasen, der sich in den Übergangsbereichen zwischen Fels-, Geröll- und Sandlitoral breit macht.