Salmler im Überblick

Salmler sind mit weit mehr als 2000 bisher bekanntesten Arten eine der umfangreichsten Ordnungen der Süßwasserfische. Sie verteilen sich auf derzeit 15 bis 16 Familien, von denen lediglich die Salmler i.e.S. und die Sägesalmler, die Kopfsteher und Schrägschwimmer, sowie die Beilbauchfische von größerer aquaristischer Bedeutung sind. Die weitaus größere Zahl der Salmler lebt in Südamerika, nur rund 10% der Arten kommen in Afrika vor. Als ausgesprochene Schwarmfische sind die meisten Salmler in entsprechender Individuenzahl und einem salmler-gerecht eingerichteten Aquarium einfach zu pflegen. Die eigene Nachzucht dagegen ist nicht einfach und mit einigem Aufwand verbunden. Die meisten Salmlerarten sind ausgesprochen friedlich und können mit anderen Salmlerarten, Zwergbuntbarsche und Panzerwelsen vergesellschaftet werden.

Zur Nomenklatur der Salmler

Die Salmler wurden früher zu den Karpfenförmigen Fischen gezählt, heutzutage bilden sie die eigene Ordnung Characiformes. Salmler ist jedoch nicht gleich Salmler. Neben den Salmler im engeren Sinn aus der Familie der Characidae, die mit mehr als 1000 bisher bekannten Arten allerdings die weitaus größte Gruppe innerhalb der Unterordnung bilden, gibt es einige weitere, zum Teil weniger bekannte Salmlerfamilien. Um allen Unterschieden in Anatomie und Biologie der Salmler gerecht zu werden, teilte bereits vor einigen Jahrzehnten der Fischspezialist Jacques Gery die ursprünglichen 5 Familien in 14 Familien auf. Inzwischen sind einige weitere Familien hinzugekommen. Die artenreiche Familie der Salmler im engeren Sinn, die Characidae, dürften den meisten Aquarianern als beliebte, farbenprächtige, kleine Schwarmfische bekannt sein. Zu dieser Familie gehören so bekannte Arten wie der Rote Neon, der Glühlichtsalmler, der Phantomsalmler, der Trauermantelsalmler, der Kirschfleck- und der Zitronensalmler. Die wichtigsten Merkmale zur Unterscheidung der Salmlerfamilien sind im Abschnitt Merkmale, Form und Färbung der Salmler aufgeführt.

Verbreitung und Lebensraum der Salmler

Salmler kommen sowohl in Südamerika als auch in Afrika vor. Weit über 1200 Salmlerarten kennt man inzwischen aus Südamerika, während die afrikanischen Salmler nur etwa 200 Arten ausmachen. Die ersten Salmler muss es also schon gegeben haben, bevor beide Kontinente im Laufe der Erdgeschichte auseinander gedriftet sind. Auch in den Aquarien stammen die meisten Salmlerarten aus Südamerika, nur wenige Aquarianer pflegen auch afrikanische Arten – eine Ausnahme bildet der herrlich gefärbte Kongosalmler. In Asien fehlen die Salmler vollständig. Barben und Bärblinge sowie die Labyrinthfische besetzen dort ihre ökologischen Nischen. Interessanterweise kommen auch Labyrinthfische und Barben in Afrika, wiederum nur in geringer Artenzahl. Immer noch werden neue Arten entdeckt, vor allem im wenig erschlossenen Regenwald des oberen Amazonasgebietes. Andererseits sterben gerade im Amazonasbecken durch fortschreitende Umweltzerstörung viele Salmlerarten endgültig aus, bevor sie überhaupt beschrieben, benannt oder wenigstens entdeckt werden konnten. Salmler besiedeln die unterschiedlichsten Gewässertypen. Das Spektrum reicht von schnellfließenden Bergbächen, träge dahin fließenden Strömen, Seen und verkrauteten Weihern und Tümpeln, Klarwaser, Schwarzwasser und Weißwasser. Im tropischen Südamerika wird man kaum ein Gewässer finden, indem nicht wenigstens eine Salmlerart lebt. Während die Salmler bei uns in erster Linie als hübsche Aquarienfische wahrgenommen werden, dienten sie in Südamerika ursprünglich nur als Speisefische. Die kleineren Arten kamen in die Fischsuppe, die größeren in die Bratpfanne. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Inzwischen leben viele Familien in Brasilien entlang der großen Ströme vom Fang derjenigen Salmler, die als Zierfische für den Export nach Europa, Nordamerika oder Japan geeignet sind, allerdings mehr schlecht als recht. Den eigentlichen Profit machen die Aufkäufer und Exporteure.

Merkmale, Form und Färbung der Salmler

Den typischen Salmler, dessen anatomischen Merkmale und Körperform stellvertretend für alle Salmler vorgestellt werden könnte, gibt es nicht. Fast allen gemeinsam ist jedoch die sogenannte Fettflosse, Adipose genannt, mit wenigen Ausnahmen. Aber auch Panzerwelse, die ebenfalls aus dem südlichen Amerika stammen, haben solch eine Fettflosse. Unter den Salmlern im engeren Sinn, den Characidae, gibt es sowohl lang gestreckte, schlanke Arten wie die Neonfische als auch hochrückige, seitlich stärker zusammengepresste Formen wie den Kirschflecksalmer und den Trauermantelsalmler. Die meisten bisher bekannten Arten aus diesen Familien bleiben verhältnismäßig klein, sind farbenprächtig, gesellig und friedlich – alles hinreichende Gründe, warum sie immer noch zu den beliebtesten Aquarienfischen gehören.

Im Gegensatz dazu sind die meisten Scheiben- und Sägesalmer aus der Familie Serrasalmidae groß bis riesig. Zu ihnen gehören die vielfach zu Unrecht als blutrünstig gefürchteten Pirnhas, die pflanzenfressenden Pacus, von denen manche mit ihrem starken Gebiss sogar Kokosnüsse knacken können und der schuppenfressende Catoprion.

Eine besonders markante Körperform haben die Beilbauchsalmler (Gasteropeleicidae). Mit ihrer kielförmigen Körpergestalt, einer starken Bauchmuskulatur und ihren großen Brustflossen können sie aus dem Wasser schnellen und mehrere Meter weit über die Wasseroberfläche segeln. Damit versuchen sie ihren Feinden zu entkommen.

Die afrikanischen Salmler, die bisher zu den Salmlern i.e.S., den Characidae, gerechnet wurden, sind nun in eine eigenständige Familie der Schwarmsalmler Hydrocinidae ausgegliedert worden. Eine zweite Familie, die Geradsalmler Cithaniidae kommt ebenfalls nur in afrikanischen Gewässern vor.

Die bis zu 35cm langen Forellensalmler (Familie Erythrinidae) kommen nur für große Schauaquarien von wenigstens 2m Länge in Frage. Außerdem sind sie flinke Räuber, die anderen Fischen nachstellen. Die Kopfform ähnelt der einer Forelle, der übrige Körper entspricht doch eher der lang gestreckten Form eines Salmlers. Räuberisch leben auch die Hechtsalmler (Familie Ctenoluciiidae), die allerdings mit maximal 20cm schon wesentlich kleiner bleiben und daher eher fürs heimische Aquarium ab 1,2m Länge geeignet sind. Mit ihrem entenschnabelähnlichen Maul und der weit nach hinten versetzten, kleinen Rückenflosse sehen sie wirklich aus wie eine Miniausgabe eines Hechtes. Allerdings haben auch die Hechtsalmler eine Fettflosse. Die größten Raubfische unter den Salmlern stellen die Wolfssalmler (Familie Cynodontidae) dar, manche Arten können bis zu 1,5m lang werden. Sie haben ein oberständiges Maul mit 2 säbelartig verlängerten Fangzähnen im Unterkiefer. Die langen, schmalen Brustflossen weisen sie als schnelle Schwimmer aus.

Die meisten Salmler halten sich in den mittleren oder oberen Wasserschichten auf. Ausgesprochene Grund- oder Bodenfische sind dagegen unter den Salmlern selten. Eine Ausnahme bilden die Grundsalmler, die zusammen mit den Ziersalmlern und den Bleistiftfischen in eine neue Familie Characidiidae ausgegliedert wurden. Bisher wurden sie zusammen mit den Ziersalmlern zur Gruppe der Halbzähner gerechnet. Vor allem die Arten aus der Gattung Hemiodus stellen die in der Familie verbliebenen Halbzähner Hemidontidae. Bei einigen dieser Halbzähner ändert sich das Streifenmuster zwischen Tag und Nacht drastisch. Tagsüber sind die Zeichnungsmuster und ihre Farben in Längsstreifen angeordnet, nachts verblassen diese Farben und werden durch schwarze Querbinden verdeckt.

Eine Ausnahmeerscheinung unter den Salmlern sind auch die Spritzsalmler und ihre nächsten Verwandten (Familie Lebiasinidae), die als einzige Salmler Brutpflege betreiben. Dazu springen sie für einige Sekunden paarweise aus dem Wasser, um ihre Eier an einem Pflanzenblatt dicht über dem Wasserspiegel anzuheften und zu befruchten. Damit die Eigelege nicht austrocknen, bevor die Jungen nach 2 Tagen geschlüpft sind, werden sie etwa jede halbe Stunde vom Männchen mit Wasser bespritzt. Spritzsalmler haben eine lange, torpedoförmige Gestalt. Sie gehören zu den wenigen Salmlerguppen, die keine Fettflosse haben. Die Kopfsteher, auch Engmaulsalmler genannt (Familie Anostomidae), und die Breitlingssalmler (Familie Curimatidae) fallen vor allem durch ihre eigenartige Körperhaltung und Schwimmweise auf. Sie schwimmen fast ständig mit dem Kopf schräg nach unten. Nah verwandt mit ihnen sind auch die Barbensalmler Brochilodontidae, die eher kleinen Brachsen, Blikken oder Rotaugen ähnlich sehen, wäre da nicht die Fettflosse.

Als letzte sollen auch die Segelflossensalmler aus der Familie der Prachtsalmler Crenuchidae nicht unerwähnt bleiben. Sie umfasst nur wenige Arten. Ihr hervorstechendstes Merkmal ist die segelförmig verbreiterte Rückenflosse, damit erinnern sie an die Segelkärpfling aus der Familie der Lebendgebärenden Zahnkarpfen.

Haltung der Salmler im Aquarium

Bei den Angaben zur Haltung der Salmler im Aquarium beschränken wir uns auf die im Zoofachhandel regelmäßig angebotenen Familien und Gruppen der Salmler i.e.S. (Characidae), die Beilbauchsalmler, Kopfsteher und Schrägschwimmer; da die Arten der anderen Salmlerfamilien in der Regel nur von Spezialisten gepflegt werden oder in öffentlichen Schauaquarien zu sehen sind.

Als ausgesprochene Schwarmfische brauchen die Salmler viel Freiraum im Aquarium zum Schwimmen. Erst in einer größeren Gruppe von 20 Tieren zeigen sie ihr typisches, synchronisiertes Schwimmverhalten. Schrägschwimmer und Kopfsteher kann man dagegen eher schon in einer kleinen Gruppe von 6 bis 10 Individuen pflegen. Das gilt auch für eine Gruppe von Beilbauchsalmlern, die ein lang gestrecktes Becken frei von Schwimmpflanzen benötigen, um ihre Segelkünste zeigen zu können. Alle Arten brauchen neben dem Schwimmraum auch ein stellenweise dicht bepflanztes und mit einigen Moorkienwurzeln bestücktes Becken, um sich zeitweise zurückziehen und verstecken zu können. Die meisten Salmler mögen es auch nicht allzu hell. Die Beleuchtung sollte gedämpft und der Bodengrund dunkel sein. Erst dann kommen ihre Farben voll zur Geltung.

Viele Arten werden inzwischen auch in Europa erfolgreich nachgezüchtet. So gelang beispielsweise die Nachzucht der Roten Neon ursprünglich nur im extrem weichen Wasser der Rhön. Später wurde ihre Zucht aus wirtschaftlichen Gründen in die Tschechei verlegt, heute werden die meisten Arten in den Fischfarmen Südostasiens gezüchtet. Deshalb sind die ursprünglich aus Gewässern mit extrem weichen und sauren Wasser stammenden Arten über Generationen hin an mittelhartes, neutrales Wasser gewöhnt worden. Andererseits werden auch immer mehr Salmlerarten in ihren südamerikanischen Heimatgewässern von den Caboclos gefangen, gehältert und dann auf schnellstem Wege nach Europa geflogen. Daher sollte man als wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Nachzucht der Salmler im eigenen Aquarium die Angaben zu den Wasserverhältnissen der Heimatgewässer beachten.

Die meisten Salmler sind Allesfresser. Man füttert sie mit handelsüblichem Zierfischfutter, vor allem schwimmfähigem Flockenfutter, gelegentlich sorgen auch Daphnien, Cyclops und Mückenlarven oder entsprechendes Fortfutter für Abwechslung auf dem Speiseplan.

Die meisten Salmler sind ausgesprochen friedlich – mit Ausnahme der immer häufiger gepflegten Piranhas und Sägesalmler. Man kann sie daher gut mit anderen Salmlern, Welsen und Zwergbuntbarschen zusammenhalten. Nicht dagegen mit größeren Fischen, die räuberisch leben oder während der Brutpflege ihr Revier verteidigen. Dazu gehören vor allem die großen Buntbarscharten. Weitere Vorschläge, welcher Salmler mit welchen Fischen zusammenpasst, kann man in den Steckbriefen zu den einzelnen Arten erfahren.

Nachzucht der Salmler unter Aquarienbedingungen

Salmler sind in der Regel Freilaicher, die ihre Eier im Kies des Gewässeruntergrundes ablegen, an breitblättrige Wasserpflanzen anheften oder einfach ins freie Wasser entlassen. Danach kümmern sie sich nicht weiter um die Eigelege oder ihren Nachwuchs, betätigen sich aber stattdessen als Laichräuber. Daher sollte man paarungsbereite Salmler in ein separates Ablaich- und Aufzuchtbecken setzen und nach dem Ablaichen möglichst bald wieder ausquartieren. Wie viele Männchen und Weibchen man für einen erfolgversprechenden Zuchtansatz auswählen muss, das kann von Art zu Art verschieden sein und ist im Detail in den einzelnen Artbeschreibungen beschrieben.

In der Regel sind für die Entwicklung der Eier niedrige Wasserwerte nötig, außerdem ist das Wasser peinlichst sauber zu halten, um eine Verpilzung der Eier zu vermeiden. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Fischlarven. Wenn dann nach einigen weiteren Tagen ihr Dottersack vollständig aufgezehrt ist und die Jungfische beginnen, frei umher zu schwimmen, muss man sie regelmäßig, aber mäßig mit feinster Nahrung versorgen, zunächst mit Pantoffeltierchen und anderen Infusorien, später kann man dann zu Nauplien von Artemia und Cyclops übergehen, bis man schließlich den heranwachsen Salmlern auch adulte Salinenkrebschen und kleinere Wasserflöhe anbieten kann.

Wenig erfolgversprechend ist dagegen die Zucht im sogenannten Daueransatz, wobei man durch ein optimal eingerichtetes Artbecken mit geringem Besatz für Nachkommen sorgt. Im Ergebnis führt das bei Salmler bestenfalls dazu, dass durch die wenigen überlebenden Jungfische die Population auf gleichem Zahlenstand erhalten bleiben kann. In jedem Fall ist die Zucht der Salmler nicht einfach und mit einigem Aufwand verbunden.