Harnischwelse im Überblick

Die Harnischwelse sind in Fließgewässern Mittel- und Südamerikas verbreitet. Dank ihrer auffallenden Körperform und interessanten Lebens- und Fortpflanzungsweise erfahren sie unter Aquarianern in den letzten Jahren steigendes Interesse. Von den mehr als 80 Gattungen und über 800 bekannten Arten werden allerdings erst wenige in Aquarien gepflegt, zumal sie besondere Ansprüche an Aquarieneinrichtung und Nahrungsangebot stellen und die Nachzucht oft schwierig, manchmal noch gar nicht gelungen ist. Einige Arten leben in schnellfließenden, kühlen und sauerstoffreichen Bergbächen, andere in warmen, teilwiese stehenden Gewässern des Amazonasbeckens, im Einzugsgebiet des Orinocos und anderen tropischen Flusssystemen Südamerikas. Diese Unterschiede führen auch zu verschiedenen Ansprüchen in der Pflege. Viele Harnischwelse brauchen Wurzelholz, welches sie als Ballaststoff abraspeln und weiden Algenaufwuchs ab, andere leben zwischen Steinen und Geröllen. Alle Arten brauchen ausreichende Versteckmöglichkeiten in Form von halbierten Kokosnussschalen, Steinhöhlen oder Tonröhren. Harnischwelse sind Haft- und Substratlaicher; das Gelege wird meist ausschließlich vom Vater betreut.

Zebra-Harnischwels
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Verbreitung und Lebensraum der Harnischwelse

Eine Übersicht die hier in Wort und Bild vorgestellten Harnischwelsarten, ihr Verbreitungsgebiet und Lebensraum gibt die folgende Tabelle:

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Verbreitung und Lebensraum Pflege im Aquarium Nachzucht im Aquarium
Blauer Antennenwels Ancistrus dolichopterus Rio Negro und andere Schwarzflüsse des Amazonasgebiets einfach mittel
Gebirgsbach-oder Schwielen-Harnischwelse Chaetostoma spec. Schnellfließende, sauerstoffreiche Bergbäche im NW Südamerikas mittel mittel
Gold- oder Orangesaumwels Baryancistrus spec. Rio Xingu in Brasilien, Orinoco u. Rio Venturi in Venezuela mittel -
Goldflossen-Harnischwels Parancistrus aurantiacus Oberes Amazaonasgebiet Perus und Brasiliens mittel schwierig
Längsstreifen-Ohrgitterharnischwels Otocinclus vittatus Schwarz- und Weißwasserzuflüsse des Amazonasbeckens einfach schwierig
Nadelwels Farlowella acus Orinoco, Guayana und Amazonasbecken, zwischen Falllaub und Totholz mittel schwierig
Schwarzlinien-Harnischwels Panaque nigrolineatus Fließgewässer Kolumbiens, Venezuelas und Brasiliens mittel schwierig
Segel-Schilderwels Pterygoblichthys gibbiceps Orinoko u.Amazonas, kann auch in Restwasser-tümpeln dank seiner Darmatmung überleben mittel mittel
Stör-Harnischwels Sturisoma aureum Panama u. Südamerika, in Klarwasserflüssen, zwischen Totholz mittel schwierig
Zebra-Harnischwels Hypancistrus zebra Rio Xingu/Brasilien, zwischen Steinen, Stromschnellen einfach mittel

Merkmale, Form und Färbung

Bei allen Harnischwelsen setzt sich die Kopfpanzerung in 3 bis 4 Reihen von Knochenschildern am Körper fort. Bei einigen Arten ist sogar die Bauchseite durch Knochenschilde geschützt. Allgemein besitzen sie einen abgeflachten, langgestreckten Körper, einen relativ großen Kopf mit einem unterständigen Maul. Das Maul hat ringsum breite, wulstartige Lippen, mit denen sie sich an glatten Oberflächen festsaugen können. So können sie aber auch Aufwuchsalgen von Steinen oder Holzfasern, die sie als Ballaststoffe zur Verdauung brauchen, von ins Wasser hängenden Baumwurzeln oder im Wasser liegendem Totholz abraspeln. Einmalig unter den Knochenfischen ist auch der Bau der Iris bei den Harnischwelsen. Sie regulieren den Lichteinfall nicht wie andere Wirbeltiere, indem sie die Pupillen verengen oder erweitern, sondern durch einen Lappen, der in die Pupille ragt. Dieser Lappen ist ein Teil der Iris. Da ihre Form damit einem auf dem Kopf stehenden griechischen Omega ähnelt, wird sie auch Omega-Iris genannt. Je nach Lichtstärke wird dieser Irislappen breiter oder enger. Einige Arten unter den Harnischwelsen sind – wie man dies auch von anderen Welsfamilien kennt – zur Darmatmung befähigt. Damit können sie während der Trockenzeit auch in sauerstoffarmen Resttümpeln überleben.

Die Harnischwelse werden in mehrere Unterrfamilien eingeteilt: Die Unterfamilie Hypostominae, die sogenannten Schilderwelse, mit etwa 16 Gattungen und 150 Arten. Zu ihnen zählen die Schilderwelse der Gattung Hypostomus, z.B. der Punktierte Schilderwels Hypostomus punctatus, und der Waben-Schilderwels Pterygoplichthys gibbiceps. Diese Schilderwelse nehmen insofern eine Sonderstellung unter den Harnischwelsen ein, als ihr Kopf schmäler ist als bei den anderen Harnischwelsen, oft ist ihre Schnauze stark verlängert und läuft spitz zu. Einige Arten gehören zum Ernährungstyp der Holzraspler und Algenputzer, bei anderen sind die Zähne aber so groß und stehen soweit auseinander, dass sie damit unmöglich sich als reine Weidegänger ernähren können. Die Unterfamilie Ancystrinae hat 18 Gattungen mit mehr als 150 Arten. Sie unterscheiden sich von den Schilderwelsen durch das bewegliche Interoperculum, welches mit Stacheln oder Dornen besetzt ist. Zu dieser Gruppe zählen mit 50 Arten die Antennenwelse der Gattung Ancistrus. Sie haben oberhalb der Schnauze mehrere tentakelartige Fortsätze, die bei den Männchen geweihartig verzweigt sind. Aber auch die Gebirgsbach-Harnischwelse der Gattung Chaetostoma, bei denen die Tentakel reduziert sind oder völlig fehlen. Ferner gehören zu den Ancistrinae auch die häufig in Aquarien gehaltenen Panaque- und Peckoltia-Arten. Die Unterfamilie Hypopotaminae, setzt sich aus 7 Gattungen mit etwa 50 Arten zusammen. Dazu zählen die Vertreter der Gattung Otocinclus wie der hier näher vorgestellte Längsstreifen-Ohrgitterharnischwels Otocinclus vittatus. Die artenreichste Gruppe der Harnischwelse bilden schließlich die 30 Gattungen der Unterfamilie Loricariinae mit mehr als 200 Arten. Zu ihnen gehören die Nadelwelse der Gattung Farlowella und die Stör-Harnischwelse der Gattung Sturisoma, die durch ihre ungewöhnlich langgestreckte Körperform und die verlängerte Schnauzenspitze auffallen.

Haltung der Harnischwelse im Aquarium

Die meisten Harnischwelse sind – egal wie groß sie werden – ausgesprochen friedlich gegenüber anderen Zierfischen, wenn diese sie ihrerseits in Ruhe lassen und ihnen nicht zu viel Stress zum Beispiel als Nahrungskonkurrenten machen. Lediglich zur Paarungszeit tragen die Männchen untereinander ihre Rivalitäten aus. Harnischwelse lassen es gerne ruhig angehen. Oft liegen sie regungslos auf einem Stück Holz oder haben sich mit ihrem breiten Maul an einem Stein oder an der Innenseite des Aquariums festgesaugt, beobachten aber stets mit wachsamem Auge, was um sie herum geschieht. Viele Arten sind auf Wurzelholz im Aquarium angewiesen, welches sie abraspeln können. Sie brauchen die Cellulose als Ballaststoff für die Verdauung. Außerdem ernähren sich viele Arten vor allem von Aufwuchsalgen, welche sie mit ihrem unterständigen Maul abweiden. Da das Algenangebot im Aquarium aber meist nicht ausreicht, muss man ihnen zusätzlich etwas Grünkost in Form von Tiefkühlerbsen, kleine geschnittenem, überbrühtem Salat, Gurken- oder Paprikascheiben anbieten. Während viele Arten reine Vegetarierer sind, sind andere als Allesfresser auch auf tierische Zusatzkost – am besten als Frostfutter angeboten – angewiesen. Stets muss aber der Anteil an tierischer Nahrung gering gehalten werden. Sonst können sie an Leberverfettung leiden und eingehen. Bei guter Pflege können manche Arten aber 10 Jahre alt und mehr werden. Wichtig sind auch ausreichende Versteckmöglichkeit in Form von halbierten Kokosnussschalen, Steinhöhlen oder Tonröhren. Viele Arten sind dämmerungs- und nachtaktiv; wenn man die Beleuchtung durch eine Schwimmpflanzendecke dämpft, lassen sie sich aber auch tagsüber blicken. Da die meisten Arten Fließwasserbewohner sind, sind sie auch im Aquarium auf sauberes, sauerstoffreiches Wasser mit einer kräftigen Strömung angewiesen. Die Wasserwerte selbst spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Optimal für die meisten Arten ist ein weiches bis mittelhartes Wasser mit pH-Werten zwischen 6 und 7.

Nachzucht der Harnischwelse unter Aquarienbedingungen

Soweit bekannt, sind Harnischwelse Haft- und Substratlaicher. Die Weibchen kleben die Eigelege an glatte Flächen – Steine, breite Wasserpflanzenblätter, an die Innenwände von Höhlen und selbst an die Aquarienscheiben. Anschließend kümmert sich einzig der Vater um die Eier, fächelt ihnen sauerstoffreiches Frischwasser zu und bewacht die Fischlarven, bis sie nach Beendigung des Dottersackstadiums selbst auf Nahrungssuche gehen. Während Blaue Antennenwelse fast von selbst züchten, gelingt die Fortpflanzung und vor allem die erfolgreiche Aufzucht der Jungfische nur unter Schwierigkeiten oder ist bisher noch nicht versucht worden.