Die Südamerikanschen Zwergbuntbarsche im Überblick

Zu den südamerikanischen Zwergbuntbarschen, deren gemeinsame Merkmale weniger auf ihrer systematischen Zuordnung, als auf ihrer, im Vergleich zu den Großcichliden, geringen Körpergröße beruht, zählen die folgenden Gattungen. Diese sind auch für die Hobbyaquaristik von Bedeutung.

Tabelle der Zwergbuntbarsche Südamerikas

Wissenschaftlicher Name Deutscher Name Verbreitung Gewässertyp Pflege Nachzucht
Apistogramma Zwergbuntbarsche
Apistogramma agassizii Agassiz Zwergbuntbarsch Brasilien und Peru Langsam fließende und stehende Gewässer mittel mittel (Höhlenbrüter)
Apistogramma bitaeniata Querbinden-Zwergbuntbarsch Oberes Amazonasgebiet in Peru und Brasilien Kleinere Flüsse mit sandigem Grund mittel mittel (Höhlenbrüter)
Apistogramma borellii Gelber Zwergbuntbarsch Südbrasilien u. Nordargentinien Wasserpflanzenreiche Gewässer einfach mittel (Höhlenbrüter)
Apistogramma cacatuoides Kakadu-Zwergbuntbarsch Oberlauf des Amazonas (Peru) und benachbartes Kolumbien Weißwasser- den Klarwasserflüsse mit viel Fallaub einfach einfach (Höhlenbrüter)
Apistogramma hongsloi Rotstrich-Apistogramma Westliche Orinokogebiet Flache, strömungsarme Randbereiche mittel anspruchsvoll (Höhlenbrüter)
Apistogramma macmasteri Villavicencio-Zwergbuntbarsch Kolumbien Klarwasserbäche mittel mittel (Höhlenbrüter)
Apistogramma nijsseni Panda-Zwergbuntbarsch Rio Ucayali in Peru anspruchsvoll anspruchsvoll (Höhlenbrüter)
Apistogramma trifasciata Dreistreifen-Zwergbuntbarsch Rio Guaporé und Rio Paraguay in Brasilien mittel einfach (Höhlenbrüter)
Dicrossus Schachbrettcichliden
Dicrossus filamentosus Gabelschwanz-Schachbrettcichlide Orinoko und Rio Negro Flachwasserzone mit Falllaub mittel schwierig (Substratlaicher)
Laetacara Tüpfelbuntarsche
Laetacara curviceps Türkisblauer Tüpfelbuntbarsch Amazonasgebiet Strömungsarme, pflanzenreiche Bereiche einfach einfach (Substratlaicher)
Laetacara dorsigera Roter Tüpfelbuntbarsch Von Bolivien bis Nord-Argentinien verbreitet einfach einfach (Substratlaicher)
Mikrogeophagus Schmetterlingsbuntbarsche
Mikrogeophagus altispinosa Bolivianischer Schmetterlingsbuntbarsch Bolivien und Brasilien einfach einfach (Offenlaicher)
Mikrogeophagus ramirezi Südamerikanischer Schmetterlingsbuntbarsch Venezuela und Kolumbien Flache Savannengewässer mittel schwierig (Offenlaicher)
Nannacra
Nannacra anomala Glänzender Zwergbuntbarsch Nordosten Südamerikas Pflanzenreiche Gewässerabschnitte einfach mittel (Höhlenbrüter)

Apistogramma

Die Zwergbuntbarsche im engeren Sinne sind mit ungefähr 70 Arten die größte Gruppe unter den südamerikanischen Zwergbuntbarschen. Damit sind sie die zweitgrößte amerikanische Gattung der Cichliden. Die meisten von ihnen besiedeln im Amazonasgebiet Fließgewässer, die reich an Wasserpflanzen, Falllaub oder Detritus sind. Einige wenige Arten leben außerhalb der Regenwälder in Bächen der Savanne oder in wasserführenden Sümpfen. Sie halten sich in strömungsarmen Bereichen auf und meiden reißende Flussabschnitte und Stromschnellen. Sie ernähren sich vor allem von kleineren Krebsen, Insektenlarven und anderen Wirbellosen, nach denen sie im Falllaub, Bodenmulm oder Pflanzendickicht wühlen. Die Männchen sind in der Regel leicht von den Weibchen zu unterscheiden. Sie sind größer, farbenfroh gemustert und haben länger ausgezogene Flossen. Die Männchen der meisten Apistogramma-Arten leben in einem Harem mit 3 bis 4 Weibchen. Diese Weibchen sind meist Versteck- und Höhlenbrüter, die ihre Brut alleine betreuen, während die Männchen die Grenzen der Brutreviere gegen Eindringlinge verteidigen. Der Name Apistogramma weist darauf hin, dass die Fische eine wenig ausgeprägte Seitenlinie haben: Die Silbe Apisto bedeutet ungewiss und unzuverlässig.

Dicrossus

Man kennt 5 Arten der Schachbrettcichliden, die die wärmeren Schwarz- und Klarwasserzonen der Regenwälder und die offenen Savannenlandschaften im Norden Südamerikas besiedeln. Sie werden zwischen 4 und 7cm groß und haben einen schlanken, lang gestreckten und seitlich deutlich abgeflachten Körperbau, eine runde Schnauze und ein andeutungsweise unterständiges Maul. Eine Charaktereigenschaft dieser Gattung ist das schachbrettartige Muster aus hellen und dunklen Flecken. Die Männchen sind leicht an den längeren und farbigeren Flossen zu erkennen. Soweit bekannt, leben die Männchen polygam, was bedeutet, dass ein Männchen ein Harem von mehreren Weibchen hat. Diese Schachbrettcichliden sind keine Höhlenbrüter, sondern Offen- oder Substratlaicher, die ihre Gelege an Pflanzenblättern ablegen.

Laetacara

Von der Gattung der Tüpfelbuntbarsche sind bisher 7 Arten wissenschaftlich beschrieben worden, von denen drei aufgrund ihrer geringen Körpergröße zu den Zwergbuntbarschen gezählt werden. Der Gattungsname Laetacara setzt sich aus den Wortsilben Laetus (lateinisch für fröhlich) und Acara (damit bezeichnen die Indios die Buntbarsche) zusammen und bezieht sich auf die dunklen, schräg nach oben weisenden Striche in der Nähe der Mundwinkel, die dem Fisch ein lächelndes, fröhliches Aussehen verleihen. Die beiden derzeit in Aquarien gehaltenen Arten, Laetacara curviceps, der Türkisblaue Tüpfelbuntbarsch und der Rote Tüpfelbuntbarsch Laetacara dorsigera, zeichnen sich durch ein lebhaftes Tüpfelmuster in verschiedenen Körperregionen aus. Die Männchen sind nur wenig größer als die Weibchen. Die Weibchen tragen meist einen dunklen Fleck auf der Rückenflosse, der den Männchen fehlt. Die Tüpfelbuntbarsche sind im Gegensatz zu vielen anderen Zwergbuntbarschen streng monogam. Sie leben in enger Paarbindung, die meist über viele, gemeinsam aufgezogene, Bruten hält. Es sind Subtratlaicher, die die Eier auf flachen Steinen oder Holzwurzeln ablegen.

Mikrogeophagus

Die Schmetterlingsbuntbarsche sind im Norden Südamerikas zu Hause. Es gibt drei Arten, von denen allerdings erst zwei wissenschaftlich beschrieben sind und einen Artennamen bekommen haben. Beide Arten, der Mikrogeophagus altispinosa und der Mikrogeophagus ramirezi, werden wegen ihrer geringen Größen zu den Zwergcichliden gezählt. Sie stellen eine recht ursprüngliche Entwicklungsstufe der Geophagini, der Zwergbuntbarsche, dar. Sie unterscheiden sich von den Vertretern der Gattung Apistogramma durch den eher hochrückigen Körperbau und die meist flachen oder leicht gegabelten Schwanzflossen. Außerdem bilden sie feste Paare. Die Weibchen bilden kurz vor dem Ablaichen eine kurze Legeröhre. Sie laichen auf flachen Steinen oder in Sandgruben ab.

Nannacara

Sie sind eine kleine Gattung der Buntbarsche, von denen derzeit 6 Arten exakt wissenschaftlich beschrieben sind. Sie besiedeln die küstennnahen Bereiche der südamerikanischen Atlantikzuflüsse im Gebiet des Amazonas und des Orinokos. Nannacara sind relativ klein, haben einen schlanken, seitlich abgeflachten Körperbau und einen rundlichen Kopf mit einem endständigen Maul. Sie sind Höhlenbrüter. Derzeit spielt jedoch nur eine Art, der Nannacara anomala, ein Rolle in der Aquaristik.

Der Vollständigkeit halber sind noch zwei weitere Gattungen zu erwähnen, die aber in der Hobbyaquaristik bisher kaum eine Rolle spielen: Die Gattung Teleocichla mit etwa 15 Arten. Sie besiedeln Stromschnellen der größeren Flüsse und erinnern mit ihrem langgestreckten Körper und der langen, niedrigen Rückenflossen eher an tropische Grundeln oder Schmerlen. Als Zweites ist die Gattung Taeniacara mit nur einer Art, dem Torpedobuntbarsch Taeniacara candidi, zu nennen. Er zeichnet sich durch einen stromlinienförmigen Körper aus. Die Weibchen sind Haftlaicher, die ihre Eier an Höhlendecken kleben.